Mit der ollen Agfa-Plattenkamera fing alles an
Sammler Siegbert Held zeigt rund 120 Fotoapparate / Riesen-Reprokamera Leihgabe aus Minden
Hattendorf (la).Wenn am Samstag, 1. Mai, das Heimatmuseum wieder geöffnet wird, wird auch die Sonderausstellung „Photographica“ von Siegbert Held aus Rolfshagen zu sehen sein. Rund 120 Foto- und Filmkameras sowie Projektoren aus allen Epochen der Fotografie werden bis zum Saisonende im Oktober ausgestellt, darunter einer der größten Fotoapparate Deutschlands, eine vier Meter lange und 1,60 Meter hohe Reprokamera und der kleinste, eine Damentaschenkamera aus dem Jahr 1930.
Die Reprokamera, 1930 in Leipzig von der Firma Falz und Werner gebaut, hat das Museum aus Minden bekommen. „In Minden wird das Museum renoviert, und da alle Räume leergeräumt werden mussten, hat man uns die Reprokamera kostenfrei überlassen“, erklärte der Vorsitzende des Auetaler Heimatvereins, Jörg Landmann. Karl Hampel, Rainer Bruns und Siegbert Held haben die riesige Kamera in Minden abgebaut und per Anhänger nach Hattendorf transportiert und dort wieder aufgebaut. „Die Reprokamera, mit der im Negativformat 70 mal 70 fotografiert wurde, wurde vorwiegend genutzt, um Landkarten abzufotografieren“, erklärte Siegbert Held. Der Hobbyfotograf stellt fast alle weiteren Exponate für die Sonderausstellung zur Verfügung. Seine Sammelleidenschaft wurde Anfang der 70er Jahre durch Zufall geweckt.
„Bei Photo-Struck in Rinteln lief eine Aktion, bei der man fünf Mark bekam, wenn man eine alte Kamera abgab und eine Neue kaufte“, erinnerte sich Held. Damals war er zufällig in dem Fotofachgeschäft, als jemand eine „Agfa-Plattenkamera“ in Zahlung gab. „Die hat mich fasziniert, und ich habe sie Hugo Struck für fünf Mark sofort wieder abgeluchst“, so Held. Mit der Agfa-Plattenkamera wurde noch auf beschichtete Glasplatten fotografiert. Das war der Beginn der Sammelleidenschaft. In Katalogen und durch Lektüren informierte sich der Rolfshäger über alte Fotoapparate und stöberte auf Flohmärkten. „Es hat sich schließlich auch rumgesprochen, dass ich sowas sammele, und so bekam ich Fotoapparate, Filmkameras und Projektoren auch geschenkt. Besonders viel erstand ich aus dem Nachlass eines Fotografen aus Kleinenbremen“, erzählt Held.
Das wohl wertvollste Stück in seiner Sammlung ist eine Voigtländer „Prominent“ mit Schnittbildentfernungsmesser, deren Sammlerwert mit 1500 Euro beziffert wird. Zu seinen besonderen Stücken zählen ein Diaprojektor von 1920, Acht- und 16-Millimeter- Filmvorführgeräte aus der Stummfilmzeit um 1930 und eine der ersten Reisekameras, die Fotografen zum Beispiel für Hochzeitsaufnahmen nutzten, aus dem Jahr 1920.
„Meine Kameras, Fotoapparate und Vorführgeräte sind alle funktionsfähig“, stellt Held stolz fest. „Beweisen“ wird er das am 1. Mai mithilfe eines Filmvorführgeräts von 1930. Damit zeigt er nämlich die beiden „historischen“ Schwarz-Weiß-Filme „Hase und Igel“ und „Tischlein deck Dich“.
